HUGO KAAGMAN  STENCIL KING
MODERN SPRAY ART GROUP -neue Wege jenseits Spray-Graffiti und Streetart - Erstausstellung von 10. September bis 8. Oktober 2009 Die internationale Künstlergruppe wird sich in der Erlanger Galerie Treppenhaus vom 10.09.09 bis 08.10.09 erstmals der Öffentlichkeit und Kunstwelt präsentieren. Eine Live-Spray- Action findet ab 16:00 Uhr, die Vernissage um 19:00 Uhr statt.  Der Nürnberger Diethard Riedel wird eine kurze Einführung in die neue Theorie der „Spraykunst“ geben und das Manifest zur „Modernen Spraykunst“ vorstellen. Der Graffiti-Pionier und Begründer des Schablonengraffiti Hugo Kaagman, wird aus den Anfängen des europäischen Graffiti, insbesondere des Amsterdamer Punk-Graffiti berichten.
2009 Modern Spray Art, Galerie Treppenhaus, Erlangen, Germany
Spray-Art-Ausstellung in Erlangen, Deutschland 2009 Der famose Umgang mit der Dose    Graffiti? Sprühdosengemälde? Das ist keine Kunst, sondern Sachbeschädigung! Polizei und Bundesbahn machen Jagd auf «Schmierfinken», die Hausfassaden, Waggons und Betonmauern mit Tags (Erkennungszeichen) verzieren. Die Palette reicht vom simplen Kürzel über das Liebesgeständnis («Vroni, ich verzehre mich nach Dir») bis zur künstlerischen Vision, viel zu schön zum Übertünchen.  Längst hat die Airbrush-Technik Einzug in die Akademien gehalten, doch mit der simplen Sprühdose tun sich die Künstler immer noch schwer, beobachtet der Nürnberger Diethard Riedel. «Die Sprühdose gibt es seit 1929, aber in der Bildenden Kunst gilt sie als das jüngste Instrument», wundert sich der Spraykünstler. «Das Ganze hat immer noch einen Ruch des Illegalen und Nicht-Künstlerischen. Dabei vollbringt man mit der Dose Dinge, die man mit dem Pinsel nicht erreicht. Einen Sprühnebel kann man nicht malen!» Nun stellt die Künstlergruppe «Modern Spray Art Group», der neben Riedel auch Cristina Dall Ozzo, Chris Engels und Hugo Kaagman sowie Ralf Puschmann und Konstantin Voit angehören, in der Erlanger Galerie Treppenhaus aus.  Eine erste Abgrenzung zur Graffiti-Kunst: sämtliche Bilder sind nicht etwa auf Wände gesprüht, sondern auf mobile Bildträger, wie Leinwände oder Verkehrsschilder. Aus einem runden Schild (ehemals Halteverbot?) blickt ein Michael Jackson aus besseren Tagen, umringt von Fischgräten. Auf einem Warn-Dreieck reckt Jesus den Mittelfinger, umgeben von krabbelnden Ameisen und einem Computer-Load-Fenster. Eindeutige Blasphemie? Oder vieldeutige Plakatierung der Bergpredigt? Mumien in Rembrandts Nachtwache  Der Holländer Hugo Kaagman, ein Veteran der Spraykunst, der Jesus, Jackson und Angie Merkel sprüht, arbeitet seit 1977 dieser Art. Unerlässlich für seine Arbeit ist der Gebrauch selbstentworfener Schablonen. «Etwa 100 000 davon liegen bei mir zuhause herum», schätzt Kaagman. Die Schablonen gruppiert er immer wieder neu. So versammeln sich Superhelden, Roboter, Skelette und Mumien zu einer «Rembrandt Nachtwache», so schwebt eine Teekanne mit Piraten- Emblem und Delfter-Blau-Muster durch den Weltraum.  Überhaupt: Delfter Blau! Die Arabesken, die Kaagmans Bildinhalte umrahmen, und vom holländischen Tee- und Kaffeeservice vertraut sind, sind so etwas wie Kaagmans Erkennungszeichen. Eine Mischung aus Pop-Art und Großmutter-Betulichkeit. Transzendierter Kitsch.  Unübersehbar reichen die Wurzeln der Spraykünstler zurück in die Sechziger Jahre, zu Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Der Mannheimer Konstantin Voit greift Embleme von Konzernen auf und verfremdet sie: der Lufthansa-Kranich mutiert zum Kolibri, der Nike-Bogen zum Indianer-Kanu, das gotische Fenster von Klosterfrau Melissengeist zum Wachhäuschen. Spannend auch «Hitchcock», ein Verweissystem von Signalen aus den Filmen «Psycho», «Die Vögel» und «Bei Anruf Mord».  Auch die Spray-Kunst hat ihre Tücken. Ein Anfängerfehler sind die «Drips»: verlaufende Farbflecken, die entstehen, wenn die Dose zu lange auf die selbe Stelle sprüht. Diese Fehler wertet Riedel auf zum eigentlichen Inhalt seiner Bilder, indem er Drips auf Leinwand, aber auch auf Autobahntafeln sprüht. «Das sind tolle Bildträger», grinst Riedel, «stabil und witterungsbeständig.» Reinhard Kalb Bis 8. Oktober; Galerie im Treppenhaus, Henkestraße 91, Erlangen. Mo.–Do. 9 bis 20, Fr. bis 19 Uhr.   12.9.2009